01.04.2022

Der rhetorische Habeck – und was CEOs von ihm lernen k├Ânnen.

Eine rhetorische Stil-Analyse von Markus Resch
#Rhetorik #Kommunikation #Leadership #Medientraining

Was h├Ârt man allerorten: So wie der Habeck sollte man sprechen! Unumwunden! Geradeaus!
Weg mit den Medientrainings! Seid so echt wie der Habeck! Dann macht Ihr alles richtig!

Das stimmt. Aber nur zur H├Ąlfte. Die erste H├Ąlfte: Habeck redet in der Tat gut und genau so, wie die Menschen denken, zweifeln, f├╝rchten und sprechen. Das ist richtig. So soll es sein.

Aber – die andere H├Ąlfte: Robert Habeck ist Schriftsteller! Sic! Das darf man nicht vergessen. Er arbeitet sein ganzes Leben schon mit der Macht des Wortes, hat damit sein Geld verdient. Es ist ein „Schmied“, der seine Stories formen kann. Er wei├č um die Wirkungs-Grammatur von Silben. Schriftsteller liegen n├Ąchtelang wach, um ihre Story mit dem richtigen ersten Satz in der Mitte des Herzens ihrer Leser zu verankern. Dann kann das Buch ein Erfolg werden. So denkt und arbeitet Robert Habeck wohl ganz automatisch.

Ich behaupte: Robert Habeck nutzt die Sprache professionell. Das ist kein Vorwurf der Manipulation, wie gerade in deutschen Kulutukreisen immer wieder gerne und emp├Ârt behauptet wird. Niemand w├╝rde Thomas Mann vorwerfen, die Sprache manipulierend zu benutzen, nur weil er es professionell tut.

Die Anwendung von Sprache ist Handwerk. Das kann man lernen. Wie Journalisten das auch tun. Und nach der Lehre wendet der Meister sein Handwerk an. Manchmal wahrhaft meisterlich, wie Robert Habeck zum Beispiel.

Ist das also das Ende von Medientrainings? Weil alle so authentisch und „echt“ sein wollen und sollen wie der Robert? Mitnichten! Wenn ein Ingenieur CEO wird, dann ist er ein guter Ingenieur. Wenn in Wirtschaftspr├╝fer Vorstand wird, dann ist er ein guter Wirtschaftspr├╝fer. Und wenn ein guter Professor Harvard Gesundheitsminister wird, dann ist er vielleicht ein guter Professor aus Harvard. Was ihnen allen aber meist fehlt: Das Handwerk im Umgang mit der Macht des gesprochenen Wortes. Weil sie im bisherigen Leben eben keine Schriftsteller waren. Weil Sprache ein meist unbewusst genutztes Kommunikationstool war. Aber kein bewusstes Vermittlungs- und ├ťberzeugungstool.

Und genau da setzt ein herausragendes Medientraining an. Es macht seine Teilnehmer*innen nicht zu Hei├čluft-Polit-Schwaflern. Dann ist es kein gutes Training. Sondern zu Meistern im Umgang mit der Macht des gesprochenen Wortes. Dass die Menschen sich verstanden f├╝hlen, folgen k├Ânnen und verstehen. Dann kommt ein Meister dabei raus.

Ich bleibe dabei: Was so „echt“ wirkt wie bei Robert Habeck ist das Ergebnis von harter Artbeit an Bewusstsein, Haltung, Messaging und bewusstem Einsatz der Macht des gesprochenen Wortes. Genau das leistet eine gute Ausbildung in Medien, Rhetorik und Kommunikation. Es hei├čt meist Medientraining. Und ist doch so viel mehr, wenn ein Habeck draus werden soll.

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